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Christen in Berlin
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Pressestimmen zum Ökumenischen Kirchentag
(Beitrag vom 03.06.2003)

Pressestimmen zum Ökumenischen Kirchentag

Zwar sieht man in der täglichen Politik wenig christliches Profil, zwar ist in Brüssel Deutschland in Sachen Bioethik und Gottesbezug in der Verfassung der Europäischen Union nicht als besonders hartnäckiger Verfechter christlicher Ethik hervorgetreten, zwar verzichteten etliche Minister des Kabinetts Schröders auf eine Vereidigung mit dem Zusatz "So wahr mir Gott helfe". Zwar bezeichnen sich Schröder als zweifelnder Protestant und Fischer als "atheistischer Christ". Doch die Gelegenheit, sich von Tausenden politisch aufgeschlossenen jungen Menschen beklatschen zu lassen, lässt man sich als Spitzenpolitiker nur ungern entgehen. Schade nur, dass so viel über Europa, Umwelt und Wirtschaftspolitik geredet wurde, das Wort "Gott" aber so selten fiel.
Die Tagespost, 31. Mai 2003

Das Berliner Motto "Ihr sollt ein Segen sein" zeigt die Zielrichtung an, die die Ökumene nach Berlin nehmen muss: Es geht darum, dass Gemeinsamkeit ihren Sinn nicht in sich selbst erschöpft, sondern die Präsenz der christlichen Botschaft, ihre Prägekraft in der Gesellschaft, zu stärken. Das Miteinander mach die Kirchen glaubwürdiger bei der Bezeugung des Evangeliums: Dazu gehört auch, die bilaterale Ökumene noch stärker zu öffnen für die Vielfalt, die die mittlerweile 1,5 Millionen orthodoxen und eine halbe Million freikirchlichen Christen in Deutschland mitbringt. Einheit hat ein Ziel; sie trägt ihren Sinn nicht in sich selbst. Das Ziel wurde in dem vermächtnisgleichen Gebet Jesu, das Johannes überlieferte, formuliert: "Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein – damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast."
Rheinischer Merkur, 29. Mai 2003

Beigetragen zu dem Erfolg hat nicht zuletzt die mutige Wahl des Ortes. Denn Berlin ist kein einfacher Gastgeber. Die Hauptstadt ist zwar das politische und kulturelle Nervenzentrum des Landes, gleichzeitig aber ein raues, säkulares Pflaster. Wer hierher kommt, der muss selbstbewusst sein, der muss etwas zu bieten haben. Wo sonst aber gäbe es in Zeiten gesellschaftlicher Neubesinnung so produktive Berührungsflächen zwischen den Kirchen und der Politik, wenn nicht in Berlin. Die Kirchen sind das Risiko eingegangen und haben den Test glänzend bestanden.
Der Tagesspiegel, 2. Juni 2003

Ein Vorhof für die Einheit der Christen solle der ÖKT werden, hatten Mitglieder des Präsidiums in Interviews erklärt: "Wir nehmen in gewisser Weise die Einheit der Kirche vorweg." Da haben einige wohl den Mund zu voll genommen. In Berlin wurde allenfalls das Fenster zum Vorhof aufgestoßen. Denn keine noch so gut geölte Kirchentagsmaschinerie ist in der Lage, die dogmatischen Konflikte abzuschleifen. Das ist primär Sache der Theologen. Durch Druck von der "Basis" lässt sich nichts erzwingen. Und erst recht kann man dem Heiligen Geist, auf dessen Wirken sich die Christen unisono berufen, keine Termine setzen. Dazu kommt: Die katholische Kirche in Deutschland kann, selbst wenn sie es möchte, in den brisanten ökumenischen Fragen nicht autonom entscheiden. Sie ist nur ein kleiner Teil der Universalkirche. Der ÖKT hat, das ist das Neue, in Berlin auch Freikirchen und Evangelikalen ein Podium gegeben. Damit wurde auch zum inneren Frieden unter den Protestanten beigetragen. Dass die Orthodoxen, immerhin die dritte christliche Konfession in Deutschland, nur "am Rande" vorkamen, ist mehr als ein Schönheitsfehler. Gerade sie braucht man für den Dialog. Sie könnten Brückenbauer sein.
Die Welt, 31. Mai 2003

Der ökumenische Kirchentag hat sich selbst gefeiert; er brachte 200.000 Menschen zusammen, die sich noch ins langweiligste Podium setzten und damit die Rede von der allgemeinen Politikverdrossenheit widerlegten. Gleichwohl ging kein politisches Signal von ihm aus. Das liegt zunächst am Elend der Verdopplungsökumene; daran, dass alles fein austariert katholisch wie evangelisch geplant werden musste. ... Es reicht nicht aus, sich hinter die Agenda 2010 zu stellen, wie das Manfred Koch, der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, und der Bischofskonferenzvorsitzende Kardinal Karl Lehmann getan haben. Es ist auch zu wenig, über die Agenda leise zu murren, wie dies die Sozialverbände tun. Die Kirchen müssen Visionen entwickeln - weil die Politik das immer weniger kann. Sie müssen den Mehltau beseitigen helfen, der über dem Land liegt. Der Kirchentag hätte dazu die Gelegenheit bieten können. Aber er hat seine Chance verpasst.
Süddeutsche Zeitung, 2. Juni 2003

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