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Christen in Berlin
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"Missbrauch der Kanzel" beim deutsch-russischen Versöhnungsgottesdienst
(Beitrag vom 06.06.2003)

Mit einem handfesten Eklat endete ein deutsch-russischer Versöhnungsgottesdienst in der Kirche am Südstern. Während des Ökumenischen Kirchentags waren dort russische Christen aus Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad, zu Gast, um in einem Gottesdienst um Vergebung für die Sünden der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg zu bitten. In Stalingrad hatte 1943 eine der schwersten Schlachten des Zweiten Weltkriegs stattgefunden. Die deutsche 6. Armee wurde nach monatelanger Einkesselung nahezu vollständig aufgerieben; rund 150.000 deutsche Soldaten fanden den Tod. Mit einem Kniefall baten Vertreter nahezu aller christlichen Kirchen der Stadt um Vergebung für die dabei angehäufte Schuld.

Der russisch-orthodoxe Metropolit von Wolgograd, German, bezeichnete den Gottesdienst als eine „einzigartige Gelegenheit, Versöhnung zu erleben“. Russisch-Orthodoxe hätten schon immer für alle Gefallenen des Krieges gebetet. Am Tag des Siegs über Hitlerdeutschland gäbe es vielerorts einen Tag des Gebets und Prozessionen für die Toten. Weltkriegsveteranen begrüßten heute mit großer Herzlichkeit Menschen aus Deutschland. Allerdings benötigte German statt der vorgesehenen sieben fast 45 Minuten für seine Ausführungen. In dieser Zeit verließen etwa zwei Drittel der ursprünglich rund 700 Gottesdienstbesucher die Kirche. Vier der fünf anwesenden ranghohen deutschen Kirchenvertreter verzichteten auf Redebeiträge. Stellvertretend für den katholischen Bischof von Erfurt, Joachim Wanke, den Leiter der Heimatmission des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), Heinrich Christian Rust (Bad Homburg), den Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden, Ingolf Ellßel (Tostedt bei Hamburg), und den evangelisch-methodistischen Bischof Walther Klaiber (Frankfurt am Main) ergriff der badische Landesbischof Ulrich Fischer (Karlsruhe) das Wort. „Wer Vergebung im eigenen Leben erfahren hat, wird bereit und fähig, anderen Menschen zu vergeben“, erklärte er. Die Deutschen hätten nach der Katastrophe von 1945 erfahren, dass ihnen schwere Schuld vergeben wurde. „Gemeinsam vergegenwärtigen wir uns heute, dass Jesus Christus den trennenden Zaun zwischen uns abgebrochen hat“, so Fischer.

Nach dem Gottesdienst bezeichnete der stark erregte Landesbischof das Verhalten des Metropoliten als einen „Missbrauch der Kanzel“. Es zeige deutlich, wie der weltweite Zustand der Ökumene heute sei. „Ich bedauere alle, die diesen für Deutschen und Russen so wichtigen Gottesdienst so lange vorbereitet haben“, erklärte der Bischof.

Benjamin Lassiwe

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