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Christen in Berlin
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Brüder und Schwestern im Glauben: fremdsprachige Christen in Berlin
(Beitrag vom 08.06.2003)

Brüder und Schwestern im Glauben: fremdsprachige Christen in Berlin

Sie gehören zum Bild unserer Stadt, der Französische Dom am Gendarmenmarkt, die Russisch-Orthodoxe Kirche mit ihren Kuppeln am Hohenzollerndamm und der russische Friedhof in Tegel, die Russisch-Orthodoxe Kirche auf dem Pfingstberg in Potsdam. Und sie verweisen auf eine sehr alte Tradition: Durch viele Jahrhunderte haben Flüchtlinge und Zuwanderer nach Berlin und Brandenburg nicht nur ihre Sprache und ihre Küche, sondern auch ihre Religion mitgebracht.

Entstehung und Geschichte fremdsprachiger Kirchen, Gemeinden und Missionen in Deutschland ist wie in anderen Ländern eingebettet in die Geschichte der Einwanderungsbewegungen. Immer hat es Menschen gegeben, die ihre Heimat verließen und anderswo eine neue Heimstatt, Beruf und Auskommen fanden. Anfangs waren Glaubensverfolgungen Anlass zu Flucht und Vertreibung, später führte das immer enger werdende Netz familiärer Verbindungen zwischen den europäischen Königshäusern, die Entstehung einer geregelten Diplomatie und schließlich im 19. Jahrhundert der grenzüberschreitende Handel besonders in Europa Menschen dazu, sich in anderen Ländern niederzulassen. Und immer brachten sie ihre bestimmte Form des christlichen Glaubens mit, wollten sie in ihrer Muttersprache Gottesdienst feiern und ihre Lieder singen. So entstanden Hofkirchen, später eigene Gemeinden der bis zum Ersten Weltkrieg nur allmählich wachsenden Ausländergruppen. Auch die damalige Form der Gastarbeiter, die Saisonarbeiter und Schnitter aus den zu Preußen geschlagenen Gebieten Polens, brachten mit ihrer Kultur auch ihren katholischen Glauben mit ins protestantische Berlin.

Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges kamen in wachsender Zahl Flüchtlinge, zunächst aus Russland, nach dem Zweiten Weltkrieg aus all den Ländern Osteuropas, die dem sowjetischen Imperium einverleibt wurden, und schließlich aus den Kriegs- und Katastrophengebieten rund um den Globus. Sie kamen aufgrund von ethnischer Vertreibung, politischer oder religiöser Verfolgung, vom Balkan und dem Nahen Osten, von Sri Lanka oder Zentralafrika. Diese Form der Zuwanderung durch Flüchtlinge und Asylsuchende hält auch in der Gegenwart an. Später kamen dann die Gastarbeiter aus Südeuropa, Jugoslawien und der Türkei und die Krankenschwestern aus Korea. Nachdem durch den Mauerbau von 1961 der stete Zustrom von Arbeitskräften aus der DDR abgerissen war, waren sie in Westberlin hochwillkommen und trugen kräftig zum Wirtschaftswachstum bei.

Gründe und Motive dieser Frauen und Männer, ihre Heimat zu verlassen, sich auf die Wanderschaft zu begeben und sich in Deutschland, in Berlin und Brandenburg niederzulassen, sind so unterschiedlich wie die Sorgen und Nöte, Träume und Hoffnungen des Lebens. Gemeinsam aber ist ihnen, dass sie sich plötzlich als Migranten, als Fremde, als Minderheit mit anderer Sprache und Kultur in einer Diaspora wiederfinden, in der sie zum Überleben ihre Sprache, ihre Kultur, ihre Bräuche und vor allem ihren Glauben bewahren wollen. Und so entstehen die vielen Gemeinschaften und Gemeinden von Christen aus aller Welt, von Konfessionen, die uns vertraut sind, wie die der Katholischen oder der Evangelischen Kirche, oder von denen wir einst nur als „fremde Kirchen“ wussten, wie zum Beispiel die Äthiopisch-Orthodoxen Christen oder die Kopten, der die zu uns neue Formen des christlichen Glaubens bringen, wie zum Beispiel viele afrikanische Gemeinden.

Nun sind sie mitten unter uns und bereichern unseren Alltag mit dem, was sie von zu Hause mitgebracht haben, wie zum Beispiel den vielen Speisen und Gerichten, die wir kennen lernen können; sie bereichern Zeugnis und Dienst der ökumenischen Gemeinschaft der Christen und ihrer Kirchen durch ihre Gesänge oder Lieder, durch ihre Bilderwände (Ikonostasen) und die Art, Gottesdienste und Feste zu feiern, durch ihre Literatur und Sprachen. Und sie helfen einander, in Stadt und Land heimisch zu werden, unterstützen in Not geratene Landsleute oder helfen den Menschen in ihren Heimatländern. Gemeinsam feiern sie seit 1982 alljährlich ein „Fest der Völker“ und erfreuen uns mit ihren Chorkonzerten. Sie sind unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, unsere Schwestern und Brüder im Glauben an Jesus Christus, sie gehören zu unserer Stadt Berlin und zu unserem Land Brandenburg.

Christfried Berger,
Geschäftsführer des Internationalen Konvents Christlicher Gemeinden in Berlin und Brandenburg

Literatur:
Die soeben erschienene Broschüre „Christliche internationale Gottesdienste/Christian International Worship Services – ein Wegweiser“, hrsg. v. Internationalen Konvent Christlicher Gemeinden (Berlin: WDL-Verlag, Mai 2003), ist für 3 EUR erhältlich beim IKCG, Georgenkirchstraße 70, 10249 Berlin

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