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Marita Sehn, MdB: Engagierte Christin verstarb bei einem Autounfall
(Beitrag vom 19.01.2004)

Marita Sehn, MdB: Engagierte Christin verstarb bei einem Autounfall

Die kirchenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, die Abgeordnete Marita Sehn (Kirchberg), ist am 18. Januar im Alter von 48 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Polizeiangaben zufolge war die Politikerin zusammen mit ihrem Mann und zwei Freunden in der Nähe der Ortschaft Niedersohren (Landkreis Rhein-Hunsrück) bei Dunkelheit einen Feldweg entlanggelaufen, als die Fußgängergruppe von einer 20-jährige Autofahrerin erfaßt wurde. Die römisch-katholische Abgeordnete, die auch Vorsitzende des Petitionsausschusses im Bundestag war, starb noch an der Unfallstelle. Ihr Mann sowie ihr Bruder schweben in Lebensgefahr.

Nachfolgend ein Portrait der Politikerin, das der Berliner Journalist Benjamin Lassiwe im Mai 2003 in der Wochenzeitung „Unsere Kirche“ (Westfalen) veröffentlichte.

„Von anderen nicht mehr verlangen, als man selber zu tun bereit ist.“ Das ist das Lebensmotto einer dynamischen Endvierzigerin - Marita Sehn, kirchenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion. Als Vorsitzende des Petitionsausschusses und als Mitglied der deutsch-arabischen Parlamentariergruppe ist die Politikerin aus dem rheinland-pfälzischen Kirchberg voll eingespannt, wenn in Berlin die Sitzungswochen laufen. „Auch wenn es dann nicht immer leicht ist: Ich achte immer darauf, mit anderen so umzugehen, wie ich erwarte, daß sie auch mit mir umgehen“, erklärt die Politikerin ihre Devise.

Denn Marita Sehn ist überzeugte Christin - auch wenn sie selbst einräumen muß, für ein persönliches „Jahr der Bibel“ keine Zeit zu haben: „Bei mir zu Hause in Kirchberg liegt schon seit Weihnachten die Bibel auf dem Wohnzimmertisch - aber wie das eben so ist: So richtig intensiv mit ihr auseinandersetzen kann ich mich bei all der Arbeit nicht.“

Dabei ist die Mitgliedschaft in der liberalen FDP für die gelernte Industriekauffrau kein Widerspruch zum Glauben: „Oft wirft man unserer Partei vor, eine Politik der sozialen Kälte zu betreiben“, bedauert die katholische Politikerin. „Dabei sind viele unserer Mitglieder den Kirchen eng verbunden, und unsere Positionen gar nicht so weit auseinander.“ Das gelte etwa für die Haltung zum Zuwanderungsgesetz. Und auch das vor einigen Jahren veröffentlichte Sozialwort der Kirchen „könnte von der FDP sein“, meint die Abgeordnete. Denn das Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ gebe es nicht nur bei vielen kirchlichen Hilfsaktionen - es stärke auch die Verantwortung des Einzelnen, und sei daher „ausgesprochen liberal“.

Privat legt die Politikerin dagegen großen Wert darauf, daß ihr Mann, mit dem sie seit 28 Jahren verheiratet ist, ihr politisches Engagement voll mitträgt. „Ohne die Zustimmung meines Partners hätte ich das nie gemacht“, betont Marita Sehn. Täglich ruft die kinderlose Abgeordnete zu Hause an - „gegenseitiges Vertrauen und Unterstützung gehören einfach mit dazu.“ Wenn dann die anstrengende Sitzungswoche vorbei ist, erholt sich die Parlamentarierin in Kirchberg, oder am bayerischen Schliersee und geht sonntags manchmal auch zur Messe. „Als ich Kind war, wollte ich ja gerne evangelisch sein“, erzählt die Abgeordnete. „Jeden Sonntag mußten wir drei Kilometer zur Frühmesse laufen - wie habe ich die Protestanten beneidet, weil sie nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen.“ Später hörte sie sich dann die eine oder andere Predigt des evangelischen Pfarrers an, der, durch und durch friedensbewegt, mit Vorliebe gegen den NATO-Doppelbeschluß wetterte. „Da war ich dann froh, daß ich katholisch bin“, erinnert sich Marita Sehn.

Grundsätzlich sei natürlich auch für sie der Frieden das wichtigste politische Ziel - „aber damals wie heute sollte die Friedensbewegung nicht auf einem Auge blind sein“, betont die FDP-Politikerin. „Es reicht nicht aus, wenn alle Menschen heute gegen George Bush demonstrieren, und dabei Saddam vergessen. Wer für den Frieden ist, sollte auch gegen Folter und Unterdrückung sein.“

Foto: Benjamin Lassiwe

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