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Christen in Berlin
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400 Euro kostet dem Querulanten Andreas Roy die Störung dreier Gottesdienste
(Beitrag vom 02.02.2004)

400 Euro kostet dem Querulanten Andreas Roy die Störung dreier Gottesdienste

Es muß ein bizarres Bild gewesen sein, Ende Dezember an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche: Ein stark übergewichtiger Mann klettert gegen drei Uhr nachts auf den dortigen Weihnachtsbaum und sägt dem Baum die Spitze ab. Anschließend läßt er Flugblätter um sich herum fallen - „Jesus wurde nicht am 24. Dezember geboren! Kehrt zum wahren Gott der Bibel zurück! Verehrt keine Götzen!“

Szenenwechsel. Einige Tage später, Heiligabend im Berliner Dom. Bischof Wolfgang Huber will gerade mit dem Weihnachtsgottesdienst beginnen, da springt ein Mann auf, der den EKD-Ratsvorsitzenden beschimpft. Auch Huber solle zur Bibel zurückkehren, fordert der Mann, der anschließend von Hubers persönlichem Referenten aus der Kirche gebracht wird.

Beide Vorfälle hängen zusammen: Denn der Weihnachtsbaumsäger war Andreas Roy, ein arbeitsloser, wegen Körperverletzung und Drogenhandel vorbestrafter Sozialhilfeempfänger. Seitdem er sich, wie er bei einer Gerichtsverhandlung aussagte, beim Lesen der Bibel selbst bekehrt habe, nutzt er jede Gelegenheit, um mit seinen Kumpanen gegen Abtreibung, Homosexualität und Ökumene zu protestieren, und die Berliner zur inneren Umkehr aufzurufen. Egal, ob Kirchengemeinden, Freikirchen, Landeskirchliche Gemeinschaften, Theateraufführungen oder die Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder - nichts ist vor ihm sicher.

Selbst gehört Andreas Roy allerdings keiner Kirche an. Im Gegenteil: Alle Formen von Gemeinde sind in seinen Augen Sünde, womit sich der selbsternannte Prediger allerdings in Widerspruch zu allen Briefen der Apostel im Neuen Testament stellt, die ja gerade an Gemeinden gerichtet waren. Auch geistliche Eigenleistungen aller Art hat Roy bisher vermissen lassen: Ähnlich wie die Mitglieder der Bewegung um den ehemaligen freikirchlichen Prediger Horst Schaffranek scheint Roy seine einzige und vordringliche Aufgabe im Stören der Veranstaltungen von Anderen zu sehen - möglichst dann, wenn wie bei der nächtlichen Baumfällaktion an der Gedächtniskirche die Teams privater Fernsehsender „ganz zufällig“ in der Nähe sind.

Kein Wunder, dass mittlerweile alle im Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg vertretenen Kirchen und Freikirchen in ihren Kirchen und Gemeindehäusern Hausverbot erteilt haben. „Christliche Gemeinden haben ein Recht auf ungestörte Gottesdienste“, meint der persönliche Referent des EKD-Ratsvorsitzenden, Pfarrer Markus Bräuer. Den Berliner Gemeinden riet er, beim Auftreten von Andreas Roy die Polizei zu rufen. Denn Hausfriedensbruch und Störung der Religionsausübung stehen in Deutschland unter Strafe.

Viel gebracht haben die mehr als zwanzig Anzeigen gegen den Querulanten allerdings noch nicht: Ganze 300 Euro Geldbuße mußte Roy bezahlen, weil er vor zwei Jahren die Beerdigung der Schauspielerin Hildegard Knef mit Zwischenrufen unterbrach. Und 400 Euro kostete die Störung dreier Gottesdienste im Januar 2003 - immerhin ergab ein psychatrisches Gutachten kürzlich die volle Schuldfähigkeit des Querulanten. Die Beschädigung der Tür der Schloßkirche von Wittenberg, an der Martin Luther seine 95 Thesen anschlug, die Zerstörung einer Hostienschale während der Einführung des apostolischen Nuntius in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale und die Störung des Abschlußgottesdienstes der letzten Allianzgebetswoche sind dagegen noch immer ungesühnt.

Benjamin Lassiwe

Foto: ddp

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