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Vom Garten Gethsemane bis zur Kreuzigung Jesu: Heute kommt Mel Gibsons Film "Die Passion Christi" in die deutschen Kinos
(Beitrag vom 17.03.2004)

Vom Garten Gethsemane bis zur Kreuzigung Jesu: Heute kommt Mel Gibsons Film

„Die Geschichte kennt man ja in groben Zügen“, sagte ein wartender Journalist vor der Pressevorführung des Films „The Passion of the Christ“. Menschen mit christlicher Sozialisation sind mit den Geschehnissen vertraut: Der Film beginnt mit der intensiven Auseinandersetzung Jesu im Garten Gethsemane, wo ihn die Anfrage Gottes beschäftigt, ob er bereit sei, die Sünde der Menschen auf sich zu laden, führt weiter über seine Verhaftung, einen inszenierten Schauprozess, bis hin zur Auslieferung an die herrschende römische Besatzungsmacht, die ihn zuerst zur Folter und dann zum Tode verurteilt. Dem folgt die emotionale und körperliche Folter durch die römischen Soldaten, der unendlich lange Weg zur Hinrichtungsstätte Golgatha und schließlich die Kreuzigung.

Kann man das Leben Jesu, das vielen von klein auf so vertraut ist, neu erzählen? Man kann. Mel Gibson gelingt es, indem er die Schauspieler in den historischen Originalsprachen Aramäisch (Jesus, seine Jünger, die Juden) und Latein (die römischen Soldaten, Pilatus) sprechen lässt. Dadurch fühlt man sich intensiver in die damalige Zeit hineinversetzt. Der Kontrast zwischen dem kehligen, melodischen Aramäisch und dem harten Stakkato des Latein macht auch den kulturellen Unterschied zwischen beiden Völkern deutlich.

Dabei kommt keiner gut weg. Weder die religiöse oder politische Elite, die Jesus ihrem Machterhalt opfert, noch die brutalen Soldaten mit geschorenen Köpfen, die die Quälerei offensichtlich genießen. Es wird deutlich: Sie tragen – selbst wenn sie ihre Hände in Unschuld waschen – am Tod Jesu schuld. Und doch wieder nicht. Denn schon zu Beginn des Films wird deutlich, dass Jesus das Leiden aus freien Stücken auf sich nimmt. Und als er – aufs Schrecklichste gefoltert und blutüberströmt – zu Pilatus sagt: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie Dir nicht von oben gegeben worden wäre!“ wird deutlich, dass er den Weg ans Kreuz bewusst gewählt hat.

Gibson bettet Jesus klar in den historischen Kontext ein. Trotz einiger Effekte, die aus Monumentalfilmen der sechziger Jahre entlehnt zu sein scheinen, und der dazu gehörigen dramatisch-lauten musikalischen Untermalung, bleibt die Geschichte immer in der historischen Realität verankert. Gibsons Ziel ist jedoch keine umfassende Verfilmung des Lebenswegs Jesu. Er konzentriert sich auf ein Thema: „The Passion“, das Leiden Jesu.

Ein ganzheitlicheres Jesus-Bild vermitteln lediglich einige Schlüsselszenen aus dem Leben Jesu. Diese Rückblenden unterbrechen das aktuelle, grausame Geschehen. Sie wollen sein Leiden in den Kontext der Erlösung der Menschheit einordnen. Das gelingt zumindest dann, wenn der Zuschauer genug Vorwissen hat, um diese Bruchstücke und Zitate wie „Dies ist mein Leib, der für Euch gebrochen wird“ zu verstehen und die Bedeutung dieser Worte für sein eigenes Leben zu erfassen.

Die Rückblenden sind eine große Erleichterung, denn der Film ist äußerst brutal. Wie brutal kann ich nicht genau sagen, denn ich habe nur etwa 95 % des Filmes tatsächlich gesehen. Manches habe ich nur akustisch wahrgenommen, wie etwa die Folterszene im Hof der römischen Residenz. Auch mit geschlossenen Augen zucke ich bei jedem Peitschenhieb zusammen. 39 Peitschenhiebe können unendlich lange sein. Lang ist auch der Weg zur Hinrichtungsstätte. Immer wieder sieht man, wie Jesus geschlagen und ausgepeitscht wird und zusammenbricht. In den meisten Szenen wird nur das überdeutlich dargestellt, was im biblischen Bericht auch erwähnt wird (z.B. als ihm die Dornenkrone ins Fleisch gedrückt wird). Bei der Verhaftung und auf dem Weg nach Golgatha geht Gibson über den Bericht der Bibel hinaus: Jesus wird geschlagen, bespuckt, verspottet und mit Steinen beworfen wird. Das ist mehr als man ertragen kann. Mir war das zu viel.

Nicht nur ich frage mich: Ist so viel Brutalität tatsächlich notwendig?

Mel Gibson scheint jedenfalls davon überzeugt zu sein, dass das Leiden Jesu für diese brutale Welt, nicht brutal genug dargestellt werden kann. Er versucht das Geschehen am Kreuz ins Blickfeld zu rücken, indem er es in seiner Brutalität überdeutlich darstellt. Nichts bleibt angedeutet oder allein der Vorstellung des Zuschauers überlassen. Die Brutalität des Kreuzes kommt klar und deutlich zum Ausdruck. Aber gerade dadurch wird der Zuschauer vom eigentlichen Geschehen am Kreuz abgelenkt.

Der Musikkritiker Steve Turner schreibt in Bezug auf Anstoß erregende Darstellungen des Kreuzes: „Das wahre „Ärgernis des Kreuzes“ ist das Ärgernis für unseren Stolz, wenn uns gesagt wird, wir seien Sünder, die Errettung brauchen und dass Errettung nicht durch unsere Bemühungen, sondern durch eine hässliche Hinrichtung des ersten Jahrhunderts geschieht. [...] Er starb, weil das die von Gott geforderte Strafe für die Sünde war.“

Das ist die wahrhaft brutale Botschaft. Dass wir Menschen unser Leben gründlich verkorkst haben und Hilfe und Erlösung nötig haben. Und dass nur dieser zerschlagene, gestorbene und am Ende wieder zurück ins Leben gekommene Mann aus Israel uns genau das geben kann. Das kratzt brutal an meinem Stolz, meiner Ehre, dem Wunsch, mein Leben auch ohne Hilfe von Außen, in den Griff zu kriegen. Es widerstrebt meinem Wunsch, mich selbst erlösen – und es doch nicht zu schaffen.

Der Film bringt diese Botschaft auch zum Ausdruck. Allerdings kleiner: „The Passion“ (das Leiden) ist groß geschrieben, „of the Christ“ (des Erlösers) steht kleiner darunter. Dennoch geht es Gibson darum, das Leiden von Jesus in erklären. Dabei greift der Film biblische Motive und Bilder auf: Das letzte Abendmahl, die Schlange, der der Kopf zertreten wird, der Vorhang im Tempel, der höchst theatralisch zerreißt. Dabei handelt es sich um Bilder, die nur Menschen, die bereits damit vertraut sind, verstehen können. Für Menschen, die mit dieser Symbolik nicht vertraut sind, wären Gesprächspartner hilfreich, die ihnen die biblischen Motive erläutern und die verständlich machen können, dass die brutale Ermordung Jesu, die in diesem Film plastisch zum Ausdruck kommt, auch für sie die Chance zu einem Neuanfang mit Gott beinhaltet.

Kerstin Hack

Kerstin Hack ist Autorin und leitet den Down to Earth Verlag. Sie engagiert sich bei Gemeinsam für Berlin.

Der Beitrag erscheint ausführlich in der Mai-Ausgabe der Frauenzeitschrift Joyce

In Berlin läuft der Film in folgenden Kinos:
Charlottenburg-Wilmersdorf: Eva-Lichtspiele, Blissestr. 18: 16, 18.15, 20.30, 22.45; UCI Kinowelt Zoo Palast, Hardenbergstr. 29a: 16.30, 20, 23.15; Friedrichshain-Kreuzberg: UCI Kinowelt Friedrichshain: 14.15, 17.15, 20.15; UFA-Palast Konsmos, Karl-Marx-Allee 131a: 14, 17, 20, 23; Mitte: CinemaxX Potsdamer Platz: 14, 17, 20, 23; Cinestar im Sony Center, Potsdamer Str. 4: 14, 17, 20, 23; Cubix UFA-Palast Alexanderplatz, Rathausstr. 1: 14.15, 17, 20, 23.15; Pankow: Kino in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36: 14.30, 17.15, 20, 22.50; Reinickendorf: Cinestar Tegel, Am Borsigturm 2: 14, 17, 20; Spandau: Kinocenter Spandau, Havelstr. 20: 11, 14, 17, 20, 23; Steglitz-Zehlendorf: Titania Palast, Schloßstr. 5-6: 11, 14, 17, 20, 23

Informationsmaterial zum Film finden Sie auf den Internetseiten der Christlichen Internet Arbeitsgemeinschaft CINA und der Internationalen Bibelgesellschaft IBS.

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