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Christen in Berlin
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Kampf um den Religionsunterricht in Berlin bekommt bundesweite Bedeutung
(Beitrag vom 18.04.2005)

Kampf um den Religionsunterricht in Berlin bekommt bundesweite Bedeutung

Politiker aller Parteien haben die Entscheidung der Berliner SPD heftig kritisiert, in Berliner Schulen den Religionsunterricht durch Werteunterricht zu ersetzen. Bundeskanzler Gerhard Schröder distanzierte sich am Mittwoch von dem Alleingang des Berliner Senats. Auf einer Berliner Familienkonferenz plädierte der Kanzler dafür, dass Kinder weiterhin wählen können, "ob sie ihre eigene Religion bekenntnisgestützt kennen lernen oder sich neutral über Werte und Religionen informieren möchten". Einsame Entscheidungen in dieser Sache seien verzichtbar, so der Bundeskanzler.

Die Berliner SPD hatte auf ihrem Landesparteitag am 9. April die Einführung eines verpflichtenden bekenntnisneutralen Werteunterrichts ab der siebenten Klasse beschlossen. Die Mehrheit der Abgeordneten sprach sich dafür aus, Schülern keine Wahlmöglichkeit zu lassen. Das bedeutet auch, dass Schüler künftig das Fach nicht abwählen können. Religionsunterricht soll daneben auf freiwilliger Basis angeboten werden. Der Werteunterricht soll nach dem Willen der Berliner SPD bereits zum Schuljahr 2006/2007 eingeführt werden.

Auch die Grünen und die Berliner PDS hatten sich für dieses Konzept ausgesprochen. Unklar ist bisher allerdings, welche Inhalte und Werte vermittelt werden sollen und welche Lehrer den Unterricht künftig erteilen sollen.

Nachdem in den vergangenen Tagen ein Aufschrei durch die Kirchen ging und Empörung in christlichen Kreisen laut wurde, melden sich nun verstärkt Politiker zu Wort.

In der aktuellen Stunde am Mittwoch warf die CDU der SPD "Religions- und Kirchenfeindlichkeit" vor. Die Union will die Einführung des Werteunterrichts durch das Verfassungsgericht prüfen lassen.

Thomas Rachel, Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU, sagte dazu: "Die SPD bricht mit dieser kirchenfeindlichen Politik mit der demokratischen Einsicht, dass der Staat nicht selbst monopolistisch die Werte vermitteln kann, die er lebt. Die Bildungsarbeit der Kirchen ist ein die Demokratie in unserem Land erhaltender Wert."

Kritik an dem Alleingang der Berliner SPD kommt auch aus den eigenen Reihen: viele führende Sozialdemokraten wenden sich gegen den Beschluss. Mit dem Pflichtfach Ethik bestehe die Gefahr, dass der Religionsunterricht aus den Schulen verdrängt werde, so Christoph Matschie, SPD-Vorsitzender in Thüringen.

Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse äußerte Bedenken: "Der Staat ist verpflichtet, die Religionsfreiheit zu garantieren und das Elternrecht zu respektieren", sagte er gegenüber der Tageszeitung "Die Welt". Nach der Kanzlerkritik warf sogar Koalitionspartner PDS der SPD vor, das brisante Thema angegangen zu sein, ohne zuvor mit den Kirchen gesprochen zu haben.

Heftiger Widerstand gegen die Berliner Pläne kommt auch von dem Deutschen Lehrerverband (DL): Die Berliner Lösung sei ein "Rollback" in Richtung DDR-geprägten-Werteneutralismus, so Josef Kraus, DL-Präsident, in der "Netzeitung". Der Staat müsse sich in Wertefragen neutral verhalten.

FDP-Landeschef Markus Löning brachte auf den Punkt, was viele fürchten: "Mir wird schlecht bei der Vorstellung, dass meine Kinder Werteunterricht haben und diese Werte von der parlamentarischen Mehrheit von SPD und PDS festgelegt werden."(en/Christlicher Medienverbund KEP e.V.)


Weitere aktuelle Stellungnahmen:
"Werte sind nicht neutral" - Interview mit Katrin Göring-Eckardt, Theologin und Grünen-Franktionschefin, in der Tageszeitung "Die Welt" vom 16.04.2005
Beschluss der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vom 15. April 2005
Wertekunde in Berlin: Der Papst und die Piefkes Beitrag von Bernd Ulrich im "Tagesspiegel" vom 9. April 2005




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