© 2022 Gemeinsam für Berlin e.V. | Selbstverständnis | Impressum

Startseite     Netzwerk     Kirchen & Gemeinden    Unternehmen    Nachrichten   

Christen in Berlin
Aktuelles

Bezirksausschuss kürzt dem christlichen Kinderwerk "Die Arche" die Zuschüsse
(Beitrag vom 13.12.2005)

Bezirksausschuss kürzt dem christlichen Kinderwerk

Der Jugendhilfe-Ausschuss der Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) Marzahn-Hellersdorf hat am vergangenen Mittwoch mit den Stimmen der Linkspartei.PDS und der FDP eine radikale Kürzung der Zuwendungen für das christliche Kinder- und Jugendprojekt "Die Arche" beschlossen.

Die bundesweit bekannte Einrichtung von Pfarrer Bernd Siggelkow, die u.a. eine Suppenküche für Kinder aus bedürftigen Familien unterhält und täglich von etwa 250 Kindern in Anspruch genommen wird, wurde zuletzt mit 36.800 Euro jährlich gefördert. Der Beschluss sieht eine Mittelkürzung für 2006 auf 18.000 Euro vor.

Den Antrag eingebracht hatte der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja, der argumentiert hatte, dass das seit zehn Jahren bestehende christliche Projekt längst "auf eigenen Füßen stehen" könne. Außerdem würde durch die "Kinderarmut-Kampagne" des Vereins in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen, in dem östlichen Bezirk Berlins herrsche Kinderarmut. Das sei "Rufmord am Bezirk", so Czaja.

Zwar gibt es in dem Bezirk Hellersdorf-Marzahn rund 35.800 Arbeitslosengeld-II-Empfänger, FDP-Chef Czaja sieht trotzdem keinen Bedarf für die Suppenküche der "Arche". "Von Einzelfällen abgesehen, gibt es keine hungrigen Kinder in unserem Bezirk", behauptet Czaja.

Der Linkspartei.PDS ist zudem die christliche Ausrichtung der Einrichtung ein Ärgernis. Martin Uther, Bezirksverordneter seiner Partei, stört sich vor allem daran, dass die Kinder bei Tisch beten würden. Das käme einer "Missionierung über den Magen" gleich und sei deshalb "ehrenrührig", so Uther.

Verbale Unterstützung bekam Pastor Bernd Siggelkow nicht nur von CDU-Politikern des Bezirks (die CDU votierte gegen den Beschluss, die SPD enthielt sich), sondern auch aus den Reihen der Landesregierung: Bildungssenator Klaus Böger (SPD) nannte den Beschluss des Bezirks eine "schwer verständliche Entscheidung". Und auch Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei.PDS) ging vorsichtig auf Distanz: "Ich finde es bedauerlich, wenn bei solchen Projekten eingespart werden muss."

Nachtrag (15.12.05): Bernd Siggelkow hat unterdessen die Vorwürfe Czajas zurückgewiesen. "Wir haben nie gesagt, dass Kinderarmut nur ein Hellersdorfer Problem ist, sondern dieses Thema deutschlandweit auf den Tisch gebracht. Es gehört zu den Tatsachen, dass jedes siebte Kind in Deutschland und jedes dritte in Berlin in Armut aufwächst. Darüber dürfen wir nicht hinwegsehen", so der "Arche"-Chef in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt"/"Berliner Morgenpost" vom 14.12.06. Zu dem Streit gibt es außerdem einen ausführlichen Beitrag im "Tagesspiegel" vom 15.12.06.

Nachtrag (16.12.05): Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Marzahn-Hellersdorf hat am Donnerstag den Beschluss des Jugendhilfe-Ausschusses der BVV rückgängig gemacht. Der Dringlichkeitsantrag von CDU und Linkspartei/PDS, dem sich die SPD anschloss, erhielt eine Mehrheit von 28 Ja- zu 16 Nein-Stimmen. Drei Bezirksverordnete enthielten sich der Stimme. Die FDP, die der "Arche" eine Imageschädigung des Bezirkes vorgeworfen hatte, blieb bei ihrem bedingungslosen Nein.
Der Linkspartei.PDS-Verordnete Martin Uther, der dem "Arche"-Gründer Siggelkow vorgeworfen hatte, er "missioniere" die Kinder und pflege zudem zu wenig körperliche Distanz zu den Kindern, entschuldigte sich öffentlich für diese Äußerungen.

Foto: Landesarchiv Berlin

Weitere Informationen finden Sie hier.

Webseite vorschlagen    Sponsoring    Kleinanzeige aufgeben    RSS    Login    Datenschutz    Impressum & Kontakt