© 2019 Gemeinsam für Berlin e.V. | Selbstverständnis | Impressum

Startseite     Netzwerk     Kirchen & Gemeinden    Unternehmen    Nachrichten   

Christen in Berlin
Aktuelles

Am Anfang des Jahres beten Christen gemeinsam / Bischof Theodor Clemens über Gebetsbewegungen und Formen des Gebets
(Beitrag vom 02.01.2007)

Am Anfang des Jahres beten Christen gemeinsam / Bischof Theodor Clemens über Gebetsbewegungen und Formen des Gebets

Viele fragen sich in der Zeit des Jahreswechsels: "Was wird uns das neue Jahr bringen?" Erwartungen und Sorgen schwingen in dieser Frage mit. "Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen", dichtet Jochen Klepper in einem Lied, das auch als Gebet gesprochen werden kann.

Wir dürfen Gott vertrauen, dass er wirklich Belastendes wegnehmen und verwandeln kann. Zeiten von Krankheit und Trauer können uns seine Nähe besonders fühlen lassen. Weil er uns in schwierigen Situationen im Leben nahe war, vertrauen wir ihm auch in der Zukunft: "...bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten." So gilt dieses Lied gleichermaßen für das vergangene wie für das kommende Jahr.

Wir müssen nur mit ihm im Gespräch bleiben. Dabei ist es besonders wichtig, dass wir auch Gottes Antwort auf unsere Bitten und Fragen hören, auch wenn diese anders ausfällt, als wir erwarten. Beten ist kein Monolog, sondern ein Dialog.

"Allianzgebetswoche" und "Gebetswoche für die Einheit der Christen"

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die Christen am Anfang eines Jahres besonders intensiv das Gespräch mit Gott suchen? Auf die Allianzgebetswoche folgt die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Die erste verbindet Christen aus landes- und freikirchlichen Gemeinden, die zweite katholische und evangelische Christen der Landeskirchen.

Erstere liegt in der ersten Januarhälfte und ihre Anfänge reichen zurück in die Zeit, in der die Gemeinschaftsbewegung entstanden ist. Zur Gebetswoche für die Einheit laden die römisch-katholische und die evangelischen Kirchen ein. Eine ökumenische Arbeitsgruppe aus jeweils einem anderen europäischen Land bereitet die Gebetsordnung und die Gottesdienste vor.

An manchen Orten, wie auch hier in Berlin, ist es seit einigen Jahren üblich, sich gegenseitig zu den Eröffnungs- oder Abschlussgottesdiensten einzuladen und zu besuchen. Wenn man sich auch noch nicht auf einen gemeinsamen Termin verständigt hat, ist man sich einig, auf dem Weg zur Einheit im Glauben voranzukommen.

Gebetsformen und -haltungen müssen nicht trennen

Ob die einen dabei mehr das frei formulierte Gebet bevorzugen oder andere mehr das liturgisch geprägte lieben, sollte uns nicht trennen. Manche wenden sich betend an Gott den Vater, andere sprechen den Sohn oder den Heiligen Geist an. Aber auch das sind keine gravierenden Unterschiede, ebenso wenig wie die Haltung beim Gebet. Die einen sind gewohnt zu knien, die anderen stehen mit gesenktem Kopf und falten die Hände, wieder andere erheben die Hände zum Lobpreis. Vielleicht hängt dies auch von der Art des Gebetes und seinem Inhalt ab oder richtet sich nach der Stimmung eines Menschen. Wir sollten daraus keine Vorschriften machen, die für alle verbindlich sind.

Für den Grafen von Zinsendorf, der sich mit Jesus unterhalten konnte wie mit einem Freund, war es bei öffentlichen Gebetsgemeinschaften wichtig, dass man sich nicht gegenseitig belehrt oder kritisiert. Gebete sind Gespräche mit Gott und keine Predigten in dem Sinn von "was ich Dir schon immer mal sagen wollte". Für das persönliche Gespräch mit Gott bevorzugen viele deshalb eher das "stille Kämmerlein" und bei öffentlichen Versammlungen das liturgisch formulierte Gebet.

Eine Gebetskette umgibt die Welt

Gerade unter jungen Christen gibt es heute einen ganz starken Wunsch nach ständigem Kontakt mit Gott, so wie ihre Freunde auch zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar sind. 24-7 ist solch eine Bewegung, die an 24 Stunden alle 7 Tage der Woche betende junge Christen weltweit verbindet.

Solch eine "Gebetswacht" gab es im evangelischen Bereich zum ersten Mal im 18. Jahrhundert in der Gemeinde Herrnhut. Die ausgesandten Diasporamitarbeiter, Evangelisten, sollten wissen, dass in der Gemeinde für die gebetet wird. Außerdem wollte man einen "geistlichen Schutzwall" für die Gemeinde errichten.

"O, Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den Herrn erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden" (Jesaja 62,6.7).

Der Kontakt zu Gott soll nicht abreißen. Die Aufforderung "betet ohne Unterlass" finden wir im Neuen Testament, und Jesus fordert in vielen Gleichnissen zur Wachsamkeit auf.

Da der Einzelne damit überfordert ist, teilte man die 24 Stunden des Tages und die Tage der Woche auf, und jeder konnte sich für eine oder zwei Stunden melden. Die Form hat sich im Lauf der Zeit verändert, da es durchaus auch Ermüdungserscheinungen gab. Eine unsichtbare Gebetskette umgibt diese Welt, auch wenn es bei uns Nacht ist und wir schlafen.

Durch das Gebet mit Gott und miteinander verbunden

Gebetskalender werden nicht nur von der Lausanner Bewegung, sondern von vielen Gruppen erstellt. Auch Gemeinsam für Berlin schreibt monatlich einen Gebetsbrief mit Informationen mit ganz konkreten gesellschaftlichen Anliegen jeweils eines Berliner Stadtbezirkes. Einmal jährlich kommen die Gemeindeleiter, Pfarrer und Pastoren zu einem "Gebetsfrühstück" zusammen und regelmäßig wird zu Gebetsgottesdiensten für die Stadt eingeladen. Dahinter steht die Erwartung, dass das gemeinsame Gebet Kraft hat, die Stadt zu verändern.

Der Weltgebetstag der Frauen jeweils Anfang März verbindet Frauen weltweit im Gebet. In vielen Gemeinden gibt es feste Tage und Stunden für Friedens- und Mittagsgebete. Wir sollten auch nicht vergessen, welche mobilisierende und verändernde Kraft die Monatagsgebete in Leipzig und vielen anderen Städten in der Zeit der Wende in Deutschland hatten. Nach Terroranschlägen und Umweltkatastrophen suchen viele Menschen, die selten beten, Orte, an denen sie mit anderen oder allein, laut oder leise beten können.

So kann man die Überschrift am Ende getrost verändern und schreiben: Christen beten nicht nur am Anfang des Jahres, sondern sind ständig durch das Gebet mit Gott und miteinander verbunden.

Theodor Clemens, Bischof der Herrnhuter Brüdergemeinde, ist Pastor einer Gemeinde in Berlin-Neukölln und Vorsitzender des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg

Der Beitrag ist der aktuellen Ausgabe der evangelischen Monatszeitschrift Frohe Botschaft entnommen.

Webseite vorschlagen    Sponsoring    Kleinanzeige aufgeben    RSS    Login    Datenschutz    Impressum & Kontakt