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Christen in Berlin
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Noel Richards: "Wir müssen aufhören, uns hinter unseren Konfessionsbezeichnungen zu verstecken"
(Beitrag vom 23.02.2007)

Noel Richards:

Eine Woche nach dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft versammelten sich im Berliner Olympiastadion rund 25.000 Christen zu dem Lobpreisevent Calling All Nations. Der Initiator und Organisator, der englische Musiker Noel Richards, zieht in einem Interview mit dem christlichen Musik-Internetportal Sound7 ein erstes Fazit zu dieser christlichen Großveranstaltung und äußert sich auch über seinen Eindruck von Deutschland und den Deutschen. Das Gespräch haben wir mit freundlicher Genehmigung von Sound7 übernommen.

"Calling All Nations" in Berlin ist jetzt schon ein halbes Jahr her. Wurden deine Erwartungen erfüllt? Wie denkst du jetzt darüber?

Das Ziel für das Event in Berlin war ganz einfach: "Die Jugend der Welt und die Jungen im Herzen zusammenzubringen um Jesus Christus anzubeten". Diese Vision erfüllte sich am 15. Juli 2006. Wir hatten 25.000 Leute aus mehr als 42 verschiedenen Ländern im Stadion, 70% dieser Leute waren unter 30 Jahre alt. Außerdem wurde das Event "live" in die ganze Welt für ein potentielles Millionen-Publikum ausgestrahlt. Ich bekomme immer noch Nachrichten von Leuten aus anderen Nationen, die an dem Tag eingeschaltet haben. Aber ich war auch enttäuscht, dass wir das Stadion nicht gefüllt haben. Es wäre großartig gewesen, zumindest 50.000 in dem Stadion zu sehen.

Wenn ich auf den Tag zurückblicke, bin ich Gott wirklich dankbar, dass wir so eine großartige Veranstaltung hatten und dass einige der einflussreichsten Musiker, Sänger und Songwriter der Kirche gekommen sind und das, was sie hatten, investiert haben in Berlin und Deutschland.

Gibt es Nachwirkungen für dich zu »Calling All Nations«? Wie sehen diese aus?

Die Nachwirkungen des Events sind nicht mein Hauptanliegen. Ich habe nicht geglaubt, dass Gott mich beauftragt hat, was anderes zu tun, als Seine Leute für einen Tag der Anbetung in dem Stadion zu versammeln. Natürlich treten Reaktionen auf, wenn diese Menge an Leuten an einem Ort zusammen sind. Gott antwortet immer auf Einheit und unseren Lobpreis und Gebete. Verschiedene Effekte! - Ich weiss, dass die, die gekommen sind, auf verschiedene Art und Weise inspiriert wurden. Durch deren Großzügigkeit waren wir in der Lage, alle unsere Rechnungen zu begleichen und Geld zu spenden an die, die es benötigen. Ich bin außerdem sicher, dass viele sich engagiert haben und im Königreich Gottes dienen auf verschiedene Art und Weise. Wir werden nie die gesamte Wirkung des 15. Juli kennen bis wir die Ewigkeit erreichen.

Durch dein Engagement bei "Calling All Nations" hast du vermutlich mit vielen Deutschen zusammengearbeitet. Hast du einen Unterschied bemerkt zwischen den Leuten, den Gemeinden und der Lobpreismusik (-szene) in Deutschland und in England?

Ich habe es genossen, mit den deutschen Leuten und Gemeinden zusammenzuarbeiten, die mich sehr gut aufgenommen haben. Ich werde auch weitermachen und mich in Deutschland einsetzen. Allerdings, der Hauptunterschied, der mir aufgefallen ist, zwischen dem Vereinten Königreich und eurer Nation, ist die Trennung des Leibes Christi in Deutschland. Deutschland ist eine Nation mit mehr als 80 Millionen Leuten und die meisten davon kennen Christus nicht. Deshalb sind – nach dem, was die Bibel sagt – mehr als 70 Millionen Deutsche unterwegs in die Hölle. Es ist eine Tragödie, dass Christen in Deutschland scheinbar mehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig zu kritisieren, anstatt sich zusammen zu schließen und dafür zu sorgen, dass das Evangelium von Jesus Christus im ganzen Land verkündigt wird. Verschwenden wir unsere ganze Zeit, uns gegenseitig zu bekämpfen, anstatt die Mächte der Finsternis zu bekämpfen?

Was in jeder Stadt und jedem Ort gebraucht wird, ist, dass die Pastoren, Leiter und Gemeinden sich vereinigen und ein Segen für die Gesellschaft werden. Wir müssen aufhören, uns hinter unseren Konfessionsbezeichnungen zu verstecken – unsere Brüder und Schwestern als Feinde zu behandeln.

Denkst du, große Worshipevents sind die Zukunft der Gemeinde? Werden andere Veranstaltungen wie "Calling All Nations" in Zukunft auftreten?

Ich denke nicht, dass grosse Worshipveranstaltungen die Zukunft für die Kirche sind. Große Versammlungen gab es schon immer und werden auch weiterhin ein Ausdruck unseres gemeinschaftlichen Lebens als Christen sein. Also bin ich sicher, dass andere Stadionveranstaltungen stattfinden werden. Vielleicht sogar wieder in Berlin, bei einem zukünftigen Ereignis.

Hast du neue Pläne für Stadion-Worshipveranstaltungen?

Im Moment habe ich keine Pläne für andere Stadien. Aber ich bin offen für Angebote!

"Worship" ist eine große Sache in Kirchen und Gemeinden heutzutage. Viele Gemeinden ersetzen ihre alten Choräle durch moderne Worshipsongs. Einige Künstler veröffentlichen erfolgreich Worshipalben mit ihren Interpretationen von bekannten Lobpreisliedern. In gewissem Sinne hat "Worship" also auch einen Industrie-ähnlichen Charakter bekommen. Was ist deiner Meinung nach die Zukunft dieser Bewegung?

"Worship" hat einen großen Wandel in den vergangenen Jahren durchgemacht. Wenn wir unsere Gesellschaft mit dem Evangelium erreichen wollen, dann müssen wir alles, was wir in unseren lokalen Gemeinden tun, überprüfen. Warum versuchen wir die Art der Gottesdienste aufrecht zu erhalten, die in einer christlichen Subkultur des 20. Jahrhunderts verwurzelt ist, wenn wir im 21. leben? Die Gesellschaft verändert sich mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und doch bleiben die staatlichen Kirchen fest in der Vergangenheit und wachsen immer langsamer. In England unterstützt die anglikanische Kirche eine Initiative, die sich »Fresh Expressions« nennt. Sie fördert traditionelle Kirchen, die weniger traditionelle Versammlungen und Versammlungsorte verwenden, um die "Nicht-Verkirchlichten" mit dem Evangelium zu erreichen.

Wenn die Kirche wachsen soll, dann wird unser Liedgut sich ändern müssen. Wir sollten nicht unser reiches Erbe an großartigen Chorälen und Liedern aufgeben. Aber wir müssen auch neue Lieder schreiben, in einer Sprache, die auch für Leute des 21. Jahrhunderts verständlich ist.

Wir sollten nicht ängstlich gegenüber einer christlichen Musikindustrie sein. Christliche Verleger und Musiklabel ermöglichen es, dass Bücher, Lieder und Musik verbreitet werden. Wir sollten die effektivsten Mittel nutzen, um neue Lieder an den Mann zu bringen. Die Revolution in der Musikindustrie – iPods, Downloads, CDs, usw. - ist etwas, was wir bereitwillig annehmen sollten. Wie die Erfindung des Buchdrucks eine Revolution war, die – als sie angenommen wurde – es ermöglichte, dass jeder eine Bibel besitzen konnte.

Es gibt außerdem Organisationen wie CCLI (gerade erst in Deutschland gestartet), die es den Kirchen ermöglichen legal neue Lieder im Lobpreis zu verwenden. Durch das Lizenzsystem, bekommen die Songwriter moderner Worshipsongs finanzielle Unterstützung, was sie motiviert noch mehr Lieder für die Kirche zu dichten.

Gibt es etwas, was du unseren Lesern noch sagen möchtest?

Zwei Dinge sind wirklich wichtig. Jesus sagte in Matthäus 22, 37 bis 39: "Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Das ist das wichtigste Gebot, das über allen steht. Das andere aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

Ganz einfach, wir sollten niemals unsere Leidenschaft für den Herrn verlieren und wir sollten Leute sein, die sich lieben und unsere Freunde und Nächsten lieben, wie Jesus sie liebt. Lobpreis ist sowohl horizontal als auch vertikal. Wenn wir wahre Anbeter sind, werden wir Gottes Liebe, Sorge und sein Mitleid an die Letzten, die Verlorenen und die Geringsten unserer Gesellschaft weitergeben. Vielleicht – wenn wir unser Streben darauf konzentrieren – werden wir dann eine geistliche Erweckung in Deutschland erleben.

Das Interview führte Johann Isaak (Sound7)

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