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Christen in Berlin
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"Von ihrem Glauben erzählt": In der Türkei wurden drei Christen ermordet
(Beitrag vom 20.04.2007)

Die Nachricht schockte ganz Europa: Tilman Geske, Necati Aydin und Ugur Yüksel wurden ermordet, weil sie in der türkischen Kleinstadt Mataya einen christlichen Verlag betrieben, Bibeln verteilten und als Christen über ihren Glauben sprachen.

Geske, ein 46jähriger Familienvater, hatte bis 1987 an der "Staatsunabhängigen Theologische Hochschule" im schweizerischen Basel studiert, einer theologisch konservativen Ausbildungsstätte aus dem Bereich der Freikirchen. In der Türkei arbeitete er offiziell als Übersetzer in einer deutschen Firma. Privat allerdings arbeitete er mit einem freikirchlichen Missionswerk zusammen, das ihn etwa mit missionarischer Literatur versorgte. Denn in islamischen Ländern erhalten Mitarbeiter christlicher Werke und Kirchen nur sehr schwer eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis – auch der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) entsandte deutsche Pfarrer in Istanbul arbeitet offiziell als Mitarbeiter der deutschen Botschaft in der Türkei, bestätigte eine Sprecherin der EKD.

Noch wesentlich schwerer allerdings ist das Leben für die rund 120.000 Türken, die sich zum Glauben an Jesus Christus bekennen. Der nun ebenfalls ermordete 35jährige Necati Aydin saß vor einiger Zeit in der Türkei für zwei Monate in Untersuchungshaft. "Muslime hatten ihn wegen einer Straftat angezeigt, die er nie begangen hat", sagt der Berliner Gerhard Denecke, der eine Gruppe christlicher Türken in Berlin bei der Gründung einer Gemeinde unterstützt. Bei Necati Aydin lernte er die türkische Sprache. "In Wirklichkeit hatten sie sich über seinen Glauben geärgert." Schuldig gesprochen wurde Aydin nie. Den Ermordeten beschreibt Denecke als gastfreundlich und offenherzig. "Er wollte jedem, der ihn danach fragte, von seinem Glauben erzählen", sagt Denecke. Deswegen sei er auch von der Arbeit des "Zirve"-Verlags begeistert gewesen, der neben Bibeln auch internationale christliche Literatur ins Türkische übersetzt.

Auf ihrer Homepage rufen die Türkischen Christen Berlins, wie sich die von Denecke betreute Gemeinde nennt, jetzt zu Gebeten auf – nicht nur für die Hinterbliebenen der Opfer, sondern auch für die übrigen Christen in der Türkei. Denn obwohl es in dem Land zwischen Kurdistan und Bosporus offiziell Religionsfreiheit gibt, müssen türkische Christen mit zahlreichen alltäglichen Diskriminierungen leben: Ihre Gemeinden werden als nicht als Rechtspersönlichkeit anerkannt und dürfen kein Eigentum besitzen. Auch die Ausbildung etwa griechisch-orthodoxer Priester ist in der Türkei verboten. Und gerade in den letzten Monaten kam es immer wieder auch zu körperlichen Angriffen auf Christen: Im vergangenen Jahr wurde ein italienischer Priester in Trabzon beim Gebet in seiner Kirche erschossen, in Izmir ein Franziskanerpater auf offener Straße von Jugendlichen angegriffen. Da bleibt es abzuwarten, ob der sinnlose Tod der drei Christen aus Mataya das Fanal war, das an dieser Lage etwas ändert.

Benjamin Lassiwe

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