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Humanisten und Linke gegen Aktionsbündnis "Pro Reli"
(Beitrag vom 06.10.2008)

Humanisten und Linke gegen Aktionsbündnis

Die Debatte um die Wiedereinführung des Religionsunterrichts an Berliner Schulen nimmt an Schärfe zu. Auf einer Diskussionsveranstaltung am Dienstag in Berlin wurde den Initiatoren von „Pro Reli“ etwa vorgeworfen, die Öffentlichkeit zu täuschen - und den Kirchen generell das Recht abgesprochen, überhaupt Religionsunterricht anzubieten. Der emeritierte Professor für Didaktik des Geschichtsunterrichts an der Technischen Universität Berlin, Peter Schulz-Hageleit, hat der Berliner Bürgerinitiative „Pro Reli“ eine Täuschung der Öffentlichkeit vorgeworfen.

Die von den Kirchen, der CDU, der FDP, der jüdischen Gemeinde und dem türkisch-muslimischen Dachverband DITIB unterstützte Initiative sammelt derzeit Unterschriften für ein Volksbegehren zur Einführung des Religionsunterrichts als Wahlpflichtfach an Berlins öffentlichen Schulen. Im Unterschied zu den meisten anderen Bundesländern gibt es in der Hauptstadt derzeit keinen staatlich organisierten Religionsunterricht. Statt dessen bieten Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie der atheistische Humanistische Verband freiwillige, unbenotete Arbeitsgemeinschaften an.

Im Jahr 2006 hat der rot-rote Berliner Senat trotz massiven Protestes der Kirchen außerdem das Schulfach Ethik eingeführt, das für alle Berliner Schüler ab der siebenten Klasse verbindlich ist.

Kritiker: „Unzulässiger Übergriff der Kirche“ auf Staat

Wie Schulz-Hageleit und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, Marion Seelig, während einer von der Evangelischen Wochenzeitung „Die Kirche“ und „Pro Reli“ veranstalteten Podiumsdiskussion argumentierten, sei es keineswegs so, dass Berlins Schüler erst nach einem Erfolg des Volksbegehrens zwischen Religion und Ethik wählen könnten. Schon heute könnten sie zum Ethikunterricht Religion hinzuwählen. Ein Wahlpflichtmodell „verhindere“ außerdem den „Dialog zwischen den Religionen“, da der gemeinsame Ethikunterricht entfalle, sagte Seeling. Aus Sicht des auch in der Ausbildung humanistischer Lebenskundelehrer sowie im Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) engagierten Schulz-Hageleit ist ein ordentliches Schulfach ferner ein „unzulässiger Übergriff der Kirche“ auf den Staat, der die Trennung von Kirche und Staat gefährde. Die Schule gehöre zur allgemeinen Verantwortung des Staates und sei kein „Forum für Sonderinteressen“.

Kirchen: Schüler zur Entscheidung für eine Religion befähigen

Der Berliner Generalsuperintendent Ralf Meister erklärte hingegen, ein ordentlicher Religionsunterricht sorge etwa dafür, dass auch der islamische Religionsunterricht künftig von staatlich angestellten und nach deutschen Maßstäben ausgebildeten Lehrern unterrichtet würde. Dadurch könne ein aufgeklärter Islam gefördert werden. Wie der Vorsitzende von „Pro Reli“, der Berliner Rechtsanwalt Christoph Lehmann, sagte, sei das Ziel des Religionsunterrichts nicht die Mission oder Katechese, sondern die Vermittlung eines Wissens, das die Schüler befähige, sich anschließend selbst „für oder gegen eine Religion“ zu entscheiden. Ein gemeinsames Schulfach Ethik sei für den Dialog zwischen den Religionen dagegen nicht nötig, weil die Schüler auch ohne dieses Schulfach noch mehr als 30 Stunden pro Woche gemeinsam unterrichtet würden. Auch in dieser Zeit sei ein gegenseitiger Austausch möglich.

Lesben und Schwule stützen „Pro Ethik“

Neben der Initiative „Pro Reli“ hat sich mittlerweile auch eine gegen das Volksbegehren gerichtete Initiative „Pro Ethik“ gegründet, die unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), steht und von SPD, Linkspartei, der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW), dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) sowie weiteren Organisationen unterstützt wird. Ihr Koordinator Gerd Eggers erklärte am Rande der Diskussion, er sei sich sicher, dass für das „Pro Reli“-Volksbegehren keine Mehrheit zu Stande kommt. Auch weitere Kritiker des Religionsunterrichts meldeten sich aus dem Publikum zu Wort. So warf der ehemalige PDS-Bundestagsabgeordnete und evangelische Pfarrer Willibald Jacob dem Religionsunterricht vor, „unter der Hand zur missionarischen Veranstaltung zu werden“.

Quelle: Christliches Medienmagazin pro, 1.10.08

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