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Christen in Berlin
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"Kirche in Not" gedenkt der friedlichen Revolution / Zeitzeugen berichten über den Einfluss der Kirchen auf den Fall der Mauer
(Beitrag vom 21.10.2009)

Mit einem Begegnungstag in Berlin hat das weltweite katholische Hilfswerk Kirche in Not am vergangenen Samstag an den zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls erinnert. Der Tag stand unter dem Titel "Johannes Paul II. und der Fall der Mauer" und hob den positiven Einfluss des Papstes auf den Niedergang des Regimes in Polen hervor, der letztendlich die Sowjetherrschaft im gesamten Ostblock ins Wanken gebracht hatte. Außerdem wurde der Beitrag der Kirchen bei der friedlichen Revolution in der DDR beleuchtet.

Vor etwa 200 Gottesdienstbesuchern schilderte am Vormittag zunächst der deutschstämmige Bischof von Saratow, Clemens Pickel, während seiner Eröffnungspredigt in der St.-Hedwig-Kathedrale die Umstände der Anfangsjahre seiner Seelsorge in Russland. Er betonte, es sei ein Wunder gewesen, dass der christliche Glaube im Land die langen Jahrzehnte der Sowjetherrschaft überlebt habe. Die antikirchliche Haltung des Regimes sei vielerorts so weit gegangen, dass Priester "vom Altar weggeholt und vor der Kirche erschossen" worden seien. Die Auswirkungen der Christenverfolgungen in der Sowjetunion seien bis heute spürbar. So sei der zaghafte Neuanfang im Glauben vielerorts durch den um sich greifenden Materialismus zum Stillstand gekommen. Pickel rief die Gläubigen auf, Osteuropa und insbesondere Russland weiterhin im Gebet zu unterstützen.

Ehrengast des Begegnungstages war der ehemalige Sekretär von Papst Johannes Paul II., Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki aus Lemberg (Ukraine). Er eröffnete die Podiumsgespräche am Nachmittag mit Berichten aus seiner Zeit im persönlichen Umfeld von Papst Johannes Paul II. Der Erzbischof dankte in diesem Zusammenhang auch Pater Werenfried van Straaten. Der Gründer von "Kirche in Not" habe ebenso wie der Papst fest daran geglaubt, dass der Eiserne Vorhang eines Tages fallen werde und alles dafür getan, "die unterdrückte und verfolgte Kirche im Osten vor der Vernichtung zu bewahren".

Seine Erinnerungen an dieses Jahr aus ostdeutscher Sicht brachte der Eichsfelder Fernsehjournalist und Buchautor Stephan Kulle in die Gesprächsrunde ein. Kulle betonte vor allem den großen Einfluss der Kirchen auf den friedlichen Verlauf der Proteste in der DDR. Neben "Wir sind das Volk" sei schließlich auch "Keine Gewalt“ ein Ruf der Friedensmärsche gewesen. Mit dieser Bitte hätten sich die Pastoren während der Friedensgebete an die Menschen gerichtet und von dort aus habe sich die Parole auf den Straßen ausgebreitet. Es sei ein Wunder gewesen, dass die Protestmärsche der Friedensbewegung ohne Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften der DDR abliefen. Den Hauptgrund dafür sehe er im gemeinsamen Gebet als Ausgangspunkt jedes dieser Märsche.

Zum Abschluss des Begegnungstages las der Fernsehjournalist Stephan Kulle Ausschnitte aus seinem Buch "Warum wir wieder glauben wollen". Im Herzen jedes Menschen gebe es die Sehnsucht nach dem Glauben und einer Beziehung mit dem lebendigen Gott, sagte Kulle. Manche seien aber leider von sich aus nicht dazu fähig zu glauben und fänden auf ihrer Sinnsuche selten zuerst den Weg in die Kirche. Jeder Gläubige sei darum aufgefordert, "sich ansprechen zu lassen" und von seinem Glauben zu erzählen. Dabei solle man sich auch nicht von Problemen mit einzelnen Kirchenvertretern beirren lassen – der eigene Glaube dürfe nicht unter dem Ärger über manche Vorgänge innerhalb der Kirche leiden.

Foto: Erzbischof Mokrzycki und Bischof Pickel während des Eröffnungsgottesdienstes (Quelle: Kirche in Not)

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