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Kirchenfusion mit Berlin-Brandenburg abgelehnt: Schlesische Oberlausitz bleibt selbstständig
(Beitrag vom 23.09.2003)

Kirchenfusion mit Berlin-Brandenburg abgelehnt: Schlesische Oberlausitz bleibt selbstständig

Die Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz (EKSOL) bleibt weiter selbständig. Die zum 1. Januar 2004 geplante Fusion der 65.000 Mitglieder zählenden Landeskirche mit der 1,2 Millionen Mitglieder starken Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB) scheiterte am Samstag an den Voten zweier Synodaler.

Bei einer gemeinsamen Tagung der Synoden beider Kirchen in der Berliner Bartholomäuskirche votierten in geheimen, getrennten Abstimmungen nur 25 der 40 anwesenden Kirchenparlamentarier der EKSOL für ein Zusammengehen der beiden Kirchen. 14 stimmten dagegen, ein Synodaler enthielt sich. Für die Annahme des “Kirchengesetzes über die Neubildung einer Landeskirche im östlichen Bereich der EKD” wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit, also mindestens 27 Ja-Stimmen, nötig gewesen.

In der Berlin-Brandenburgischen Kirche stimmten dagegen 117 der 135 anwesenden Synodalen für die Fusion. Dort gab es 11 Gegenstimmen und sieben Enthaltungen.

Die leitenden Geistlichen beider Kirchen zeigten sich in einer Pressekonferenz entsetzt über die Abstimmungsniederlage. “In der Görlitzer Kirche wird es weitergehen, aber ich habe Angst davor, wie”, sagte der Bischof der EKSOL, Klaus Wollenweber. Bereits heute sei es kaum noch möglich, in allen Gemeinden die Gemeindekirchenräte zu besetzen. “Ich habe bis zum Schluß geglaubt, daß die Einsicht stärker ist als die Gefühle.” Aber die Emotionen seien offenbar wichtiger gewesen als die notwendige Veränderung der Kirche. Wollenweber: “Ich persönlich hatte gehofft, daß ich bis zu meinem Ruhestand meine Kirche als guter Haushalter in andere Hände übergeben kann. Meine Vision der Neubildung einer Kirche ist nicht geschafft.” Dies sei aber nicht ein existentielles Scheitern seines Bischofsamtes. In der nächsten Woche müßten die Gremien der EKSOL beraten, wie es weitergehen soll. Einen Rücktritt schloß der Bischof, dessen Amtszeit turnusgemäß 2004 enden würde, aber aus.

Der Berlin-Brandenburgische Bischof Wolfgang Huber bezeichnete das Ergebnis der Görlitzer Synode als “enttäuschend” im Verhältnis zur geleisteten Vorarbeit. Seit dem Jahr 2001 hatten beide Kirchen über eine Fusion verhandelt. Aus Berlin-Brandenburgischer Sicht sei “die Tür aber nicht zugemacht”. Sollte die EKSOL einen “glaubwürdigen Gesprächswunsch” gegenüber der Berlin-Brandenburgischen Kirche haben, sei die EKiBB für Gespräche bereit. Dafür müßte den Synodalen der EKSOL aber “mehr Freiraum für ihre Beschlüsse” gelassen werden.

Während der Sitzungen habe er mit Fusionsgegnern gesprochen und “den Eindruck gewonnen, daß nicht ein eigenes, besseres Konzept, sondern Verletzungen aus dem Prozeß des Zusammengehens” für ihr Stimmverhalten verantwortlich seien, so Huber.

Der Präses der Synode der Schlesischen Oberlausitz, Andreas Böer, hatte bereits zu Beginn der Tagung bedauert, daß es in den vergangenen Monaten innerhalb der EKSOL zu einer “nicht geringen Zahl von Verletzungen und Beschädigungen einzelner” gekommen sei.

Dagegen erklärte die Görlitzer Oberkonsistorialrätin Margrit Kempgen, der große Fehler der Kirchenleitung sei gewesen, “im Vorfeld der Abstimmung den Synodalen vertraut zu haben”. Sie hätten entgegen ihrer Aufgabe keine Informationen über die Fusion in die Kirchengemeinden hineingetragen. So sei das große Mißtrauen in den Gemeinden entstanden. Trotz des Synodenbeschlusses werde die EKSOL in den nächsten Jahren weiter schrumpfen, da immer mehr Menschen aus Görlitz, Hoyerswerda und Weißwasser wegzögen, so Kempgen. Daher müsse es auch in Zukunft Verhandlungen über eine Fusion der beiden Kirchen geben. “Ich sehe das Ergebnis als den Auftakt auf dem Weg, weiterzumachen. In der zweiten Runde wird es gutgehen.”

Benjamin Lassiwe

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